Seite auswählen

Diskussion

27. Oktober 2017
19:00 Uhr

Humboldt Universität (Unter den Linden 6)
Hörsaal 2097
Berlin

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bitte oszillieren Sie!

Neurechte Morgenröte und ideologie­kritische Abend­dämmerung

Der Aufstieg der neuen Rechten scheint mehr zu bezeigen als einen bloß demoskopischen Prozess. Mit der Stimmung, die zum Erfolg jener politischen Konzepte führt, worin Neid und Angst in nationalistische, xenophobe, mitunter völkische Politiken überführt werden, scheint sich auch das politische Koordinatensystem selbst verändert zu haben. Die klassischen Zuordnungen – rechts, links, liberal, konservativ usw. – sind nach wie vor gemeinverständlich, vielleicht mit einem gewissen Recht, da in ihnen menschliche Ansprüche ausgedrückt sind, erweisen sich aber als unzureichend, die gegenwärtigen Vorgänge begrifflich zu machen.
Man weiß nicht, wo genau der Wandel herkommt. Weiß nicht, was von ihm betroffen ist. Nicht, wie lang er dauern wird und wohin er führt. Immerhin darüber, dass es sich um einen Übergang handelt, scheint Einigkeit zu bestehen.

Indem politisches Denken nicht bloß entweder vorhandene Gesellschaft oder aber vorhandenes Bewusstsein betrachten kann, sondern gerade das Verhältnis von gesellschaftlichem Sein und Bewusstsein untersuchen sollte, stellt sich auch mit Rücksicht auf die jüngeren politischen Entwicklungen Europas und Nordamerikas die Frage, aus welchen Quellen sich jene Verschiebungen speisen und wie diese Verschiebungen im Bewusstsein auf das gesellschaftliche Sein zurückwirken.
Drei Vorträge sollen sich konsekutiv, doch je selbständig mit diesem Problem befassen. In »Vorsprung durch Angst« werden Theodora Becker und Arne Kellermann nach den Quellen der politischen Stimmung fragen, die in den vorliegenden Verhältnissen des real existierenden Kapitalismus zu finden wären. In »Monkeysphere reloaded« wird Konstantin Bethscheider die neue Rechte als Bewegung in Betrachtung nehmen, diskutieren, worauf sie reagiert und welche Wirkungen von ihr zu erwarten sind. In »Being a Bat« wird Felix Bartels über Möglichkeiten und Leerstellen der Ideologiekritik reden vor dem Hintergrund einer bemerkenswerten Nachsichtigkeit gegenüber dem Aufkommen der neuen Rechten.